Referenzen / Veranstaltungsgebäude MP09

  • Architekt: GSarchitects

Büro- und Geschäftshaus MP09 in Graz, AT

Auf einem exponierten Grundstück im Bezirk Liebenau am südlichen Rand der österreichischen Stadt Graz bauten GSarchitects die neue Firmenzentrale des Brillen- und Schmuckunternehmens „Uniopt Pachleitner Group“. Die Form des lang gestreckten Monolithen, die schrägen Kanten, ansteigenden Dachflächen sowie die schwarze, spiegelnde Fassade erinnern an die Dynamik einer sprungbereiten Katze. Das brachte dem Bau den Spitznamen „Schwarzer Panther“ ein.
 
Als Michael Pachleitner, Eigentümer und Geschäftsführer der Uniopt Pachleiter Group, sich entschied, einen repräsentativen Sitz für sein Unternehmen in Graz zu errichten, hatte er bereits klare Vorstellungen von dem neuen Gebäude. Es sollte vor allem die Philosophie seiner Firma sichtbar machen. Uniopt produziert exklusive Brillen, optische Brillengläser und Schmuck. Mit vielen innovativen Ideen eroberte Pachleitner mit seinem Unternehmen in wenigen Jahren den internationalen Markt. Diese Energie und Geschwindigkeit sollte baulich in Szene gesetzt werden. 2006 fand hierzu ein zweistufiger Architekturwettbewerb statt, den das Grazer Büro GSarchitects gewann. Sein Entwurf eines schwarzen, scharfkantigen Baukörpers schien der Jury am besten geeignet, sowohl die Firmengeschichte zu visualisieren, als auch als Landmarke am südlichen Stadteingang zu dienen. Im Oktober 2006 wurden GSarchitects mit der Umsetzung ihres Entwurfes beauftragt, eineinhalb Jahre später begannen die Bauarbeiten und im Mai 2010 war die neue Firmenzentrale fertig. Offiziell heißt sie MP09, aber Architekten und Bauherr nennen den skulpturalen Bau mit der vorgehängten hinterlüfteten Fassade aus reflektierenden, schwarzen Glaselementen lieber „Schwarzer Panther“. Im starken Kontrast zu seiner heterogenen Umgebung steht er am ehemaligen Autobahnzubringer Liebenauer Tangente inmitten einer Mischung aus kleinteiliger Vorstadtsiedlung und Gewerbegebiet, einzelnen Feldern und als markantestem Merkmal dem Fußballstadion des österreichischen Bundesligisten SK Sturm Graz. Mit seinen bis zu sechs Geschossen überragt der Bau die benachbarten Wohnhäuser deutlich. Die Architekten richteten seine Höhe und Größe an dem nahe gelegenen Stadion aus, denn das städtebauliche Leitbild sieht vor, dass die Tangente zukünftig von verschiedenen, dominanten Solitärbauten gesäumt wird. Um eine räumliche Distanz zum angrenzenden Wohngebiet zu schaffen, rückt der Monolith nah an die Straße heran. Dort zeigt sich die lange Front geschlossen. Fensterbänder betonen die Längsrichtung des Baus, der stadteinwärts deutlich auskragt. Ein großes, zweigeschossiges Fenster durchbricht durch seine Trapezform und die runden Ecken die schroffe Gebäudeansicht. Diese Öffnung, auch „Auge des Panthers“ genannt, dient als Schaufenster zum dahinter liegenden Schmuck- und Brillengeschäft. Denn Pachleitner wollte mit dem MP09 nicht nur ein Bürohaus bauen, sondern auch einen Shoppingbereich mit seinen Produkten integrieren. Das leicht abfallende Gelände wird durch eine erhöhte Sockelzone ausgeglichen, in der Büros, Verkaufs- und Lagerräume untergebracht sind. Zum Wohngebiet hin präsentiert sich das Gebäude offener und durchlässiger. Der Baukörper löst sich in massive Stützen auf, um dem Bau eine dynamische Wirkung zu verleihen. Hier zeigt sich auch, dass die Uniopt-Zentrale aus zwei Flügeln besteht, die in einem weiten Winkel zueinander stehen. In der Draufsicht erinnert das Gebäude an einen Bumerang, allerdings mit scharfen Kanten und Ecken. In einem Trakt befindet sich der Pachleitner-Unternehmenssitz mit Verwaltung und Gewerbebereich, der andere Flügel enthält Büroflächen zur Fremdvermietung. Im Schnittpunkt der beiden Gebäudeteile ist der Haupteingang, der in das über 350 Quadratmeter große Atrium führt. Der Luftraum erstreckt sich über alle Etagen und dient der Orientierung und Sichtverbindung zwischen den verglasten Büroräumen. Über eine Treppe erreicht man Brücken, die den Luftraum queren. Von der zentralen Halle aus werden sowohl die beiden Bürotrakte des MP09 erschlossen als Schnitte auch ein Restaurant, die Geschäfte und der Seminarraum im Erdgeschoss. Im Gegensatz zur schwarzen Fassade ist das Innere hell gestaltet. Licht scheint von allen Richtungen durch die Räume und wird durch die in Weiß gehaltenen Wände reflektiert. Ansonsten bestimmen warme Sand- und Erdtöne das Bild, die sich in den verschiedensten Materialien wie Teppichen, Stofftapeten oder Lederbespannungen wiederfinden. Besonderes Augenmerk legten Architekten und Bauherr auf die Gestaltung der Verkaufs- und Gastronomieflächen. Das Brillen- und zchmuckgeschäft ist ganz in Beige gehalten. Ein langer, organisch geformter Verkaufstresen aus schwarzem Corian ist als zentrales, raumgreifendes Element bereits durch das große Schaufenster von der Straße aus sichtbar. Dazu entwarfen GSarchitects eigens Vitrinen und Präsentationsflächen für die zum Verkauf angebotenen Preziosen. Eine Wand aus Stahlblech trennt den Schmuckladen von dem angrenzenden Restaurant. Um Durchblicke vom Verkaufs- in den Gastrobereich zu ermöglichen, wurden orientalisch anmutende Ornamente aus der dünnen Zwischenwand herausgestanzt, was für den Eindruck eines fließenden Übergangs zwischen den Räumen sorgt.
 
Produkte
Hinterlüftete Fassade, StoVerotec Glas

Fotos:
Mit freundlicher Genehmigung der Fa. Sto Ges.m.b.H, Villach
 
Rubrik:
Hinterlüftete Fassadendämmsysteme