Referenzen / Ville Verdi - Frischer Wind im sozialen Wohnbau

  • Land: Österreich
  • Architekt: Albert Wimmer
  • Bauherr: Gesiba, Wien
  • Jahr: 2008
  • Farben: col
  • Produkten: use

Hingucker-Fassaden für Wiens neue Stadtvillen

Textquelle: Compact 3/2008
Das neue Architekturprojekt Ville Verdi prägt das Wiener Gesicht. Die fünf sozialen Wohnhäuser setzen bisher unbekannte Maßstäbe in Alltags-Ästhetik, Ökonomie und Ökologie. Möglich wurde die Einzigartigkeit unter anderem durch eine hinterlüftete Stahlfassade mit Wellprofilen und Sidingelementen.

„Wien ist anders“, so begrüßen die Plakate auf den Verkehrsstraßen den Besucher. Wiener Walzer, Sachertorte, Prater fallen einem spontan ein. „Es gibt aber auch ein anderes, ein nicht kommerzielles Wien: die sozialen Wohnungsbauten“, erinnert Simon Rümmele  an die Königsdisziplin der Architektur. Das Vorzeigeobjekt: Ville Verdi. „Es steht im 11. Bezirk im Südosten der Stadt, in direkter Nachbarschaft des Industriedenkmals Gasometer“, erklärt er und zeigt auf die grünen Villen. „Genauer gesagt handelt es sich hier um fünf geneigte Wohnhäuser mit einer naturgrünen Stahlfassade.“ Um noch genauer zu sein, handelt es sich um Wellprofile mit der unverwechselbaren Oberfläche ReflectionsCinc, einer hochwertigen Beschichtung, mit der Nah- und Fernwirkung von Gebäuden harmonisch abgebildet werden. Stolz ist Rümmele auch auf die schwarzen Sidingelemente oberhalb der Fenster. Sie wurden eigens für Ville Verdi mit einer neuartigen, mattierten Effektbeschichtung versehen.

Optisch sind die Domizile ein gelungener Hingucker. Doch Paul Steurer, Bauleitung der Gesiba Gemeinnützigen Siedlungs- und Bauaktiengesellschaft, weist auf die inneren Werte hin: „Es ist uns gelungen, innovativen, großzügigen und günstigen Wohnbau zu errichten.“ Die Nutzfläche von 14.174 Quadratmetern teilt sich in 170 Wohneinheiten auf, die durchschnittlich rund 78 Quadratmeter betragen und zirka sechs Euro pro Quadratmeter Miete kosten. Dazu kommen weiträumige Veranden auf den Südseiten, Terrassen, Fahrradräume, Waschsalons, Saunen und Fitnessräume, Hobby- sowie Kinderspielräume. „So können wir auch mit gehobenem Wohnungsbau konkurrieren“, meint er. Denn: „Wir schaffen Wohnraum, der zeitgemäß und nicht von der Stange ist“, erläutert Dr. Michael Ludwig, Stadtrat für Wohnen und Stadterneuerung in Wien. „Das sind Lösungen für viele Lebens- und Familienformen, die gleichzeitig ästhetisch ansprechend sind.“ Fast ein Drittel der Wiener wohnt in städtischen Wohnhausanlagen. Es gibt keine Armenviertel, man kann an der Adresse den sozialen Status einer Person nicht ablesen.

„Das hat Tradition“, weiß er. „Qualitativ hochwertigen Wohnraum zu schaffen ist für uns so etwas wie eine historische Verpflichtung.“ Schon mit dem Karl-Marx-Hof, der zwischen 1927 und 1930 errichtet wurde und der zu einem der bekanntesten Gemeindebauten der Donaumetropole zählt, setzte die Hauptstadt Österreichs Maßstäbe im Sozialbau. Die Geschichte wurde weiterentwickelt. Ville Verdi weist zahlreiche Aspekte der modernen, nachhaltigen und anspruchsvollen Architektur auf. „Erste Herausforderung war es, in der Nachbarschaft der sehr prägnanten Gasometer eine starke Identität der Wohnhäuser zu schaffen“, holt Architekt Albert Wimmer aus. „Daher die leicht schräge Haltung und die farbige Fassade. So schweben die Villen ambivalent zwischen Sehen und Gesehenwerden, die Fassade strahlt natürlich grün.“ Das verstärke die Präsenz und erleichtere die Identifikation der Bewohner. Steurer und Ludwig nicken, schließlich gibt es enormen Zuspruch von den ersten Mietern für die gelungenen Bauwerke, die das Gefühl, in einem typischen Sozialbau zu wohnen, erst gar nicht aufkommen lassen.

„Die zweite Herausforderung war, Nachhaltigkeit und Lebenszyklus ökonomisch umzusetzen“, fährt Wimmer fort. „Wir haben uns bewusst gegen eine typische, nämlich verputzte Fassade entschieden.“ Denn das Wellprofil hat zahlreiche Vorteile: hoher Vorfertigungsgrad, verbunden mit einer verschnittfreien werksseitigen Vorkonfektionierung, Just-in-time-Lieferung und schnelle, einfache Montage. Ferner ist der Baustoff umweltschonend, da recycelbar. „Zudem ist die Fassade hinterlüftet – also von der Bauphysik her die beste Methode zu bauen. Der erforderliche Hinterlüftungsquerschnitt wird mit einem Abstand zwischen Dämmung und Wellprofil von 20 bis 40 Millimetern erreicht“, führt Rümmele aus. „So überhitzt sich das Gebäude nicht, und es entstehen keine Bauschäden durch Dampfkondensation. Außerdem ist die Beschichtung farbstabil und besonders langlebig, was praktisch eine wartungsfreie Fassade ermöglicht.“ Und: Das System erfüllt bereits den ambitionierten Niedrigenergiestandard und ist bis hin zum Passivhaus-Standard ausbaubar.
All das hat nicht nur den Architekten überzeugt, sondern auch Gesiba und die Stadt Wien.
Und somit sind sich alle sicher: Diese hohe Qualität wird Schule machen, in Wien und außerhalb.

Alle Fotos:
Mit freundlicher Genehmigung der ThyssenKrupp Steel Europe AG- Werksfotografie,
BM Simon Rümmele, Hoesch Bausysteme GmbH und Gesiba, Gemeinnützige Siedlungs- und Bauaktiengesellschaft, Wien
 

Architektur:
Albert Wimmer, www.awimmer.at

 

Hersteller Fassadenelemente und ÖFHF Mitglied
Hoesch Bausysteme GmbH, www.hoesch-bau.com/siding,
Kontakt: siding@hoesch-bau.com